Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung (SAPV)

Was ist SAPV?

SAPV ist die Abkürzung für „spezialisierte ambulante Palliativversorgung“.

Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) dient – in Ergänzung zur allgemeinen ambulanten Palliativversorgung – dient dem Ziel, die Lebensqualität und die Selbstbestimmung schwerstkranker Menschen, die an einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung leiden, zu erhalten, zu verbessern und ihnen ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod zu ermöglichen.

Bei Palliativpatientinnen und Palliativpatienten steht nicht das Heilen einer Krankheit, sondern die Linderung von Symptomen und Leiden im Vordergrund. Der Begriff „palliativ“ (lateinisch pallium = Mantel) steht in der Medizin für „die Krankheitserscheinungen mildernd, ohne ihre Ursachen zu beheben“. Dem entsprechend bilden die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Patientin oder des Patienten sowie die Belange der ihm vertrauten Personen den Mittelpunkt der Palliativversorgung.

Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung ist für Palliativpatienten und deren soziales Umfeld da, wenn die Intensität oder Komplexität der Probleme und Beschwerden, die die Erkrankung mit sich bringt, den Einsatz eines spezialisierten medizinischen Teams mit entsprechender Fachweiterbildung notwendig macht – vorübergehend oder dauerhaft (sog. Palliativteam, Palliative Care Team oder ´SAPV´-Team).

Seit dem 1. April 2007 besteht für gesetzlich Krankenversicherte nach dem Fünften Buch Sozialgesetzbuch (§37b SGB V) ein Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV). Die Umsetzung der SAPV ist in der SAPV Richtlinie des G-BA geregelt, die Krankenkassen schliessen mit den SAPV Teams Versorgungsverträge nach SGB V § 132d Abs.1.

Der Gesetzgeber sieht diese Leistungen für Versicherte vor, die an einer nicht heilbaren Krankheit und fortschreitenden Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung leiden und einen besonders aufwändigen Versorgungsbedarf aufweisen (ein sog. komplexes Symptomgeschehen). Sie soll den Betroffenen ermöglichen, bis zum Tod in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung oder in stationären Pflegeeinrichtungen versorgt zu werden. Voraussetzung für die Leistungsgewährung ist die Verordnung durch eine Ärztin oder einen Arzt.

SAPV kann als alleinige Beratungsleistung, Koordinationsleistung, additiv unterstützende Teilversorgung oder vollständige Patientenversorgung erbracht werden und ist eine ergänzende und unterstützende Leistung. Die ambulante Versorgung durch den Hausarzt und ambulante Pflegedienste wird dadurch nicht ersetzt (Leistungen nach SGB XI sind nicht Bestandteil der SAPV).

Verordnung und Kosten:

Die Leistung muss vom Hausarzt oder dem Klinikarzt (bei Entlassung nach Hause) verordnet werden („Muster 63“ – Verordnung spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) ). Die Krankenkassen übernehmen nach Genehmigung der Leistung alle Kosten für die Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), i.d.R. Übernehmen auch Private Krankenkassen die Kosten vollständig.

SAPV leistet

  • medizinische Versorgung durch ein spezialisiertes Palliativ-Team
  • Erkennung, Behandlung und Linderung von Symptomen wie Schmerzen, Angst, Atemnot, Erbrechen, Unruhe und anderen schwer therapierbaren Beschwerden
  • 24-Stunden Rufbereitschaft (sowohl pflegerisch als auch ärztlich)
  • Notfall-Einsatzbereitschaft
  • Erstellung eines individuellen Maßnahmen- und Hilfeplans
  • Vorbeugung von Krisensituationen
  • Unterstützung und Entlastung der Angehörigen
  • Psychosoziale Begleitung, Vernetzung der an der Versorgung beteiligten Dienste
  • Beratung und Hilfe bei sozialrechtlichen Fragen und Anträgen
  • Organisation spezieller Hilfsmittel (z.B. Spezialmatratze, Schmerzpumpe, …)

 

Einige Kernbegriffe der SAPV

Besonders aufwändige Versorgung :

  1. Bedarf nach einer besonders aufwändigen Versorgung besteht, soweit die anderweitigen ambulanten Versorgungsformen sowie ggf. die Leistungen des ambulanten Hospizdienstes nicht oder nur unter besonderer Koordination ausreichen würden, um die Ziele nach§1 Abs. 1 zu erreichen.
  2. Anhaltspunkt dafür ist das Vorliegen eines komplexen Symptomgeschehens, dessen Behandlung spezifische palliativmedizinische und / oder palliativpflegerische Kenntnisse und Erfahrungen sowie ein interdisziplinär, insbesondere zwischen Ärzten und Pflegekräften in besonderem Maße abgestimmtes Konzept voraussetzt.
  3. Ein Symptomgeschehen ist in der Regel komplex, wenn mindestens eines der nachstehenden Kriterien erfüllt ist:
  • ausgeprägte Schmerzsymptomatik
  • ausgeprägte neurologische / psychiatrische / psychische Symptomatik
  • ausgeprägte respiratorische / kardiale Symptomatik
  • ausgeprägte gastrointestinale Symptomatik
  • ausgeprägte ulzerierende / exulzerierende Wunden oder Tumore
  • ausgeprägte urogenitale Symptomatik

unheilbare fortschreitende Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung:

Eine Erkrankung ist nicht heilbar wenn nach dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse Behandlungsmaßnahmen nicht zur Beseitigung dieser Erkrankung führen können.

(2) Sie ist fortschreitend, wenn ihr Verlauf trotz medizinischer Maßnahmen nach dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse nicht nachhaltig aufgehalten werden kann.

(3) Eine Erkrankung ist weit fortgeschritten, wenn die Verbesserung von Symptomatik und Lebensqualität sowie die psychosoziale Betreuung im Vordergrund der Versorgung stehen und nach begründeter Einschätzung der verordnenden Ärztin oder des verordnenden Arztes die Lebenserwartung auf Tage, Wochen oder Monate gesunken ist. Insbesondere bei Kindern sind die Voraussetzungen für die SAPV als Krisenintervention auch bei einer länger prognostizierten Lebenserwartung erfüllt.

(Quelle: SAPV – Richtlinie des G-BA)

Gesetz zur SAPV – § 37b SGB V Spezialisierte ambulante Palliativversorgung:
Stand: Zuletzt geändert durch Art. 11 Abs. 43 G v. 18.7.2017 I 2745
http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbv/37b.html

§ 132d SGB V Spezialisierte ambulante Palliativversorgung:
Stand: Zuletzt geändert durch Art. 11 Abs. 43 G v. 18.7.2017 I 2745
http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbv/132d.html

Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Verordnung von spezialisierter ambulanter
Palliativversorgung (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgungs-Richtlinie / SAPV – RL)
https://www.g-ba.de/downloads/62-492-437/SAPV-RL_2010-04-15.pdf